SMU Berlin 2018




Wir haben das Kunstprojekt „Paulines Hammer“ in Würdigung  des Schauspielers, Dramaturgen und KZ-Überlebenden Harry Pauly  sowie des Schauspielers und Theaterintendanten Corny Littmann (Schmidts Tivoli und Schmidtchen) gebaut. - Warum ?

 

Nun, in Hamburg galt seit 1961 ein Klappenverbot, dessen Einhaltung durch Polizisten und Zivilfahnder kontrolliert wurde. Der damalige Hamburger Innenminister Helmut Schmidt veranlasste 1963 wegen der bevorstehenden IGA eine „gründliche Klappen-Säuberung“.

 

1973 eröffnet Harry Pauly in der Kastanienallee in Hamburg den sogenannten „MC-Club“, einen Schwulentreffpunkt, später unter dem Namen „Mutter Courache“ bekannt. Er selbst war eine Kunstfigur, die unter dem Namen „Pauline Courage“ in der Szene bekannt wurde.

 

Corny Lippmann berichtet in dem schwulen Stadtbuch „Hamburg mit anderen Augen“ (Männerschwarm Verlag - März 2007) über die sogenannte „Hamburger Spiegelaffäre“:

 

 „Pauline Courage (Anm.: Harry Pauly) reichte uns (DüMadissima-Anm.: am Mittwoch, 2. Juli 1980) einen schweren Hammer heraus, und wir sind dann runter in die Klappe unter dem Spielbudenplatz an der Taubenstraße. Mit dem Hammer haben wir nacheinander auf den Spiegel eingeschlagen.“

 

Angefangen hatte alles durch einen kurzen Beitrag des „Hamburg Journals“ am 22.07.2013. Er berichtete über eine Ausstellung „Liberales Hamburg?“. Weil uns dieses problematische Thema interessierte, besuchten wir diese.

 

Wir wurden konfrontiert mit Exponaten, welche die Schwulen- und Lesben-Bekämpfung über viele Jahrzehnte hinweg bis mindestens in die 80-er Jahre hinein widerspiegelten. U. a. stießen wir auf die uns zwar bekannte, sogenannte  „Hamburger Spiegel-Affäre“, jedoch waren unsere Erinnerungen daran und ebenso an Helmut Schmidts Positionen & Weisungen bereits etwas lückenhaft.

 

Mit diesem Projekt möchten wir an diese Jahrzehnte erinnern, in denen Menschen von der Bundesrepublik, auch von der ach so „liberalen“ Hansestadt Hamburg, beispielsweise wegen des Bestehens des § 175 verfolgt wurden, weil so etwas nicht zum gewollten (christlichen) Lebensstil passte.