Publikumspreis 2019




Bewerbungs-Text: Die gemeine Nasszelle (cella aquâ madida duémidissimae) in Nasszellen

Thema des Publikumpreis-Wettbewerbs: „Wasser“ 

Grafik und Bau: Manfred Dübelt / Jörg Marx
Inhaltliche Umsetzung: Manfred Dübelt & Jörg Marx ("Dümadissima")


Nasszelle (Anatomie): 27,0x40,0x27,0 (Breite x Höhe x Tiefe in cm)

Nasszelle (Duschkabine): 25,0x43,0x15,0 (Breite x Höhe x Tiefe in cm)

2019  

Zwei Mikrobiologen ist es nun im Frühjahr 2019 nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit - unter Einsatz aufwendigster Untersuchungsmethoden und -apparate (insbesondere des derzeit modernsten Elektronenmikroskopes) in europäischen Laboratorien - erstmals gelungen, die gemeine Nasszelle (cella aquâ madida duémidissimae) und ihr Hauptverbreitungsgebiet, die Nasszelle (Duschräume & Badezimmer), nachzuweisen sowie ihre Struktur sichtbar zu machen, was beiden bereits weltweiten Erfolg bescherte.
 

Jeder kann nur froh sein, wenn auf der Grundlage der Trinkwasser-Aufbereitung in seiner Nasszelle Protisten (Einzeller mit Zellkern) leben, da sie ihn vor vielerlei Gefahren  schützen: Zu nennen sind da in erster Linie die gefährliche Legionelle (Legionella), der Hausschwamm (Serpula lacrymans) oder das Silberfischchen (Lepisma saccharina). Die Bevölkerung lebte noch bis vor kurzem in Unwissenheit darüber, in welch bester Symbiose sie sich im Alltag mit der gemeinen Nasszelle befindet und welche Fähigkeiten diese mikroskopisch kleine Makroalge besitzt.



Bewegung, Ernährung und Verdauung

So konnten in ihrer Wohnung beide Forscher, deren Namen hier gar nicht erst erwähnt  werden, erstmals in Echtzeit beobachten, wie diese schwimmende Weißalge in der Nasszelle (Dusche) eine ausgewachsene Legionelle auflauert,  an sie heranschleicht und sich durch den Vorgang der Diffusion diesen Schädling einverleibt. Dieses Verhalten legt sie solange an den Tag, bis alle Legionellen in ihrer Nähe eliminiert sind und somit die Gefahr einer Legionärskrankheit oder  Pneumonie (Lungenentzündung) gebannt ist.

Auch mit dem vom Menschen verabscheuten Hausschwamm weiß die cella aquâ madida duémadissimae genauso hervorragend umzugehen: Dämmert dieser an einer dunklen Stelle, am Duschwannenrand vor sich hin, nichts ahnend, dass er sich dort nicht allein befindet und darauf wartet, dass ein erneuter warmer Wasserstrahl aus dem Duschkopf seine Körperoberfläche benetzt,  um sich hernach  - schwellkörperartig  prall - aufzufüllen. Die gemeine Nasszelle nutzt - auf ihrem Weg in die Abwassser-Aufbereitung - diese Situation aus, indem sie ihren innenliegenden Rüssel, an dessen Ende sich  ein saugkopfähnliches Gebilde befindet, das sie  heraus schnellen lässt, am Schwamm andockt und die inzwischen verdauten Legionellensäfte in ihn injiziert, um seine Gesamtstruktur zu verflüssigen und einzusaugen.

Atmung

Der größte Gegner der gemeinen Nasszelle ist jedoch der Silberfisch, weil er gerade ihre Nahrung bevorzugt: den Hausschwamm. Da sie jedoch im Größenverhältnis zu winzig und schwach ist, den Futter-Konkurrenten aus dem eigenen Revier zu jagen und sich den Schädling einzuverleiben, wendet sie einen besonderen Trick an: Sie hat nämlich festgestellt, dass der Silberfisch nichts mehr verabscheut als Gerüche von Zitronen, Gurken oder Lavendel. Ob  dem Zufall oder der Evolution geschuldet, ist der Flatus (Darmwind) der cella aquâ madida duémadissimae genau das Pheromon, das den Silberfisch in die Flucht treibt und zugleich ihren eigenen, überlebenswichtigen Atemkreislauf sichert.

Fortpflanzung

Zur Vermehrung der gemeinen Nasszelle sei gesagt, dass sie sich ungeschlechtlich vollzieht und sich durch Querteilung in zwei Tochterzellen vorrangig in der Rahlau und Wandse - fernab der traditionell-allsommerlichen Blaualgen-Invasionen in der Elbe und Alster - vermehrt. Der Mikronukleus verdoppelt sich. Durch Einschnürung der Zellstruktur werden die Mikronuklei getrennt, und es entstehen zwei neue gemeine Nasszellen. Dies kann sich unter günstigen Bedingungen bis zu sieben Mal am Tag vollziehen.