KZ-Gedenkstätte 2018




Beim Blick in den Guckkasten ist das Krankenzimmer im KZ Buchenwald zu erkennen, das - insbesondere nach dem Überfall auf die Sowjetunion ab 1941 - vor allem sowjetische Kriegsgefangene zu betreten hatten, damit die dort tätige Krankenschwester unter dem Vorwand einer ärztlichen Untersuchung „Gewicht“ und „Größe“ ermitteln konnte. Hinterrücks der Messlatte befand sich ein Loch, durch das der hinter der Wand stehende Schütze diskret und mühelos den gezielten Genickschuss abgeben konnte.

Die „Genickschussanlage“ ist auf keinen Fall eine Beispiel gebende Kopie eines mörderischen Regimes, sondern ein Symbol der Verbrechen des Hitlerfaschismus. Zum anderen ist an einem Straßenrand (außerhalb des Territoriums des KZ Buchenwald) ein Messing-Würfel positioniert, mit dem Häftlinge um nicht mehr benötigte Essensportionen von Insassen „spielten“ und vor dem Willy Brandt kniet.

Unmissverständlich, dass es sich hierbei eigentlich um seinen historischen Kniefall vom 7. Dezember 1970 am „Mahnmal zum Gedenken an den Aufstand im jüdischen Ghetto 1943“ handelt. Er ist ein Sinnbild für die Bitte um Vergebung für die Verbrechen des deutschen Naziregimes im Zweiten Weltkrieg.

Dass diese Geste mitten auf einer holprigen kopfsteingepflasterten Straße stattfindet, ist kein Zufall, sondern zeigt den schwierigen und unbequemen Weg der Versöhnung der (zwischenzeitlich jüngeren) Generationen. Dieser Weg wird durch ein bewegliches Eingangstor und ein oberes, stets die Position änderndes Licht sehr, sehr dynamisch und eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Der Kniefall Willy Brandts begünstigte für die Staaten der NATO und des Warschauer Paktes das Aufeinander-Zugehen sowie das Enger-Aneinander-Rücken beider deutscher Staaten (Grundlagenvertrag vom 21.12.1972) – letztlich eine Voraussetzung für die Festigung des Weltfriedens.

Wir, Manfred Dübelt & Jörg Marx, symbolisieren in der direkten Verbindung von Pseudo-Krankenzimmer und Kniefall die „Straße der Versöhnung und Aufarbeitung begangener Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Unser Guckkasten, der durch eine Spende des Ehepaares Christian und Petra von Hoffen aus Berlin  seinen endgültigen Platz in der Gedenkstätte „KZ-Außenlager Wansleben“ gefunden hat, soll einerseits an die Verbrechen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg erinnern - also gegen (‚wider’) das Vergessen deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts agieren, andererseits aber auch unbedingt und mahnend die Frage stellen: „Schon ‚wieder’ vergessen?“


Foto: Susanne Theumer (02.04.2018)