Ausstellung 2012

DüMadissima-Ausstellung „Verdrehungen“ 2012




Ein Höhepunkt der Ausstellung „Verdrehungen“ war die von Manfred Dübelt entworfene Porzellanfigur „ZartBitter“ („Sarotti“-Mohr). - Der Hintergrund: rund um den Erdball rekrutierte Kindersoldaten!

Auf weltweit rund 200.000 Jungen und etwa 100.000 Mädchen wird die Zahl der Kindersoldaten geschätzt. Allein in Afrika sind nach aktuellen Schätzungen etwa 120.000 Kindersoldaten im Einsatz.

Auf der ganzen Welt kämpften Kinder und Jugendliche bereits in Konflikten in über 30 Ländern mit: so in Afghanistan, Sri Lanka, Kolumbien, Burundi, Sierra Leone und Uganda.

In der Logik des Krieges sind Kinder attraktive Rekruten: Jungen und Mädchen lassen sich leicht kontrollieren und kommandieren. Obendrein sind sie billig, denn sie essen weniger als Erwachsene und verlangen keinen Sold. - Sie sind Opfer und Täter zugleich!

Uns war es deshalb ein wichtiges Anliegen, diese Situation so zu veranschaulichen, indem wir eine Porzellanfigur in Anlehnung an den „Sarotti“-Mohr kreierten. Statt eines Tabletts hält sie - dabei auf einem Backstein sitzend -  eine Kalaschnikow in den Händen. In dieser Position dreht sich zugleich der Kuchenteller, auf dem der Backstein  mit unserem Kindersoldaten „ZartBitter“ liegt, wieder und wieder um seine eigene Achse.

Während wir noch weiter  grübelten, ob wir vielleicht  noch mehr  gemeinsame Aktivitäten entwickeln und uns auch Neuem (Auffinden von Nischen) hinwenden könnten, entdeckten wir 2010 während des Herumstöberns auf einem Flohmarkt das Buch „Pablo-Picasso (1881-1973) - Das Genie des Jahrhunderts: ‚Ich wollte nicht Maler werden, und ich bin Picasso geworden‘“.

Beim Blättern fiel uns Picassos „Frau mit Blume“ (1932) ins Auge, und sie wurde zum Ausgangspunkt für eine Serie surrealistischer Figuren, denn einfachheitshalber sprachen Manfred Dübelt und Jörg Marx bei der Erörterung des Picasso-Werks von der „Blumenfrau“, also einem Beruf, den  heute eher als „Floristin“ bezeichnen.

Also ließ sich Manfred Dübelt auf die Picasso-Sprache ein und entwickelte diese weiter in seinen Entwürfen „Fischer“, „Krankenschwester“, „Schornsteinfeger“, „Sopranistin“, „Schuhmacher“, „Wäscherin“ (Hintergrundbild des Ausstellungsplakats), „Friseur“, „Freudenmädchen und „Kunstmaler“. Nach diesen Vorlagen modellierte Jörg Marx die erwähnten Figuren.

Wir waren uns beinahe sicher: Solche Figuren hat jener Kunstmarkt bislang so noch nicht erlebt! Eine Serie des goldenen Handwerks zu entwerfen könnte vielleicht Aufmerksamkeit und Interesse an unserer Arbeit wecken, nämlich zweidimensionale Entwürfe durch deren figürliche Umsetzung in die dritte Dimension zu transportieren. Und nicht nur das: Wir hatten uns vorgenommen, dem „stetigen“ Wechsel von Frontal- und Profilansicht von Picassos „Frau mit Blume“ zu folgen.

Der Wechsel von Frontal- und Profilansicht und der einhergehende, fast beliebige Austausch der Formen hat uns immer wieder zu neuen Figuren inspiriert, die schlechthin nicht nur als Raumdekoration erklärbar sind, weil in den Figuren vielleicht noch ein bisschen mehr „steckt“:

Zum einen ist das der Gegensatz zur stimmungstieferen Befindlichkeit Picassos, als er die „Frau mit Blume“ malte. Zum anderen verlässt der Besucher die Ausstellung nach der Besichtigung unserer Objekte „leichtfüßiger“, weil die „Freiberufler“ in ihrer teilweise recht verdrehten Körperhaltung und in ihrer versch(r)obenen Mimik Humor wecken.

Trotz alledem ist da aber auch ein gewisser Unterton, eine Diskrepanz oder ein Zwiespalt zu empfinden, haben wir es doch in mancher Hinsicht mit aussterbenden Gewerben (Schuhmacher und Wäscherin), mit Umweltschäden (Fischer - Überfischung der Meere) oder mit in der Gesellschaft zunehmendem Burn-out (durch Leistungsdruck, Stress und Personalmangel überforderte Krankenschwester) zu tun.